Opfer von Printmedien

Nach einer längeren Weihnachtspause melde ich mich zurück und zwar zum Thema Facebook. Mir kommt langsam vor, das Internet findet momentan fast nur mehr auf Facebook statt. Es wird mit Facebook quasi gleichgesetzt, weniger mit Google. Unternehmens-Fanseiten werden statt „normalen“ Webseiten besucht, persönliche Nachrichten werden statt E-Mails versendet. Klassische Newsletter sind bereits tot, sie wissen es nur noch nicht. Gefälschte Facebook Profile von Prominenten sind lange nichts Neues mehr. Ob ihnen das schadet oder nützt, sei dahingestellt. Jedenfalls ist nicht jeder damit einverstanden, was auch verständlich ist.

Diese Promis werden dann von Traditionsmedien als Opfer und die falschen Promis als Hochstapler bezeichnet. So geschehen in der Ausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 22.1.2010 (Print- und Online-Ausgabe), wo man wahrscheinlich einen Lückenfüller brauchte.

In dem Artikel geht es um das gefälschte Profil vom Fußballtrainer des FC Wacker Innsbruck, Walter Kogler. So berichtet die Tiroler Tageszeitung, dass Walter Kogler von seinem Facebook-Alter-Ego nichts wusste und es nur per Zufall entdeckte und er nun dagegen vorgehen möchte.

Ich selbst war überrascht, dass es die Tiroler Tageszeitung in einem Bericht über einen Hochstapler selbst es jedoch nicht für notwendig hält, im Screenshot des gefälschten Profiles die Freunde des falschen Walter Koglers zu entfernen. Und so werden diese quasi ohne gefragt zu werden als Opfer des Hochstaplers Zwangs-geoutet.  Ich selbst bin (war) einer von diesen Freunden. Zuerst habe ich mir gedacht, naja was soll’s, ich bin auf Facebook und da habe ich kein Problem damit wenn jemand weiß, dass ich mit Walter Kogler auf Facebook befreundet bin. Jedoch finde ich es nicht in Ordnung, wenn ich in einer Zeitung lesen muss, dass ich 1. ein Facebook-Freund von Walter Kogler bin und 2. dass ich einem „Hochstapler“ auf den Leim gegangen bin.

Für mich ist dieser Facebook-kritische Zeitungsartikel auch ein Zeichen dafür, dass Zeitungen um ihre Leser bangen, da sie diese zunehmend an Facebook verlieren. Zudem gibt’s mindestens drei Nutzer mit dem Namen Walter Kogler auf Facebook. Ein Autor, der über eine solche Aktion schreibt, sollte jedoch einen gewissen Qualitätsanspruch haben und nicht selbst die Persönlichkeitsrechte anderer verletzen!

Mittlerweile wurde das Foto des prominenten Walter Kogler auf dem Profil des falschen mit dem des echten (?) ausgetauscht.

Link: http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Tirol/129713-2/story.csp

„Falscher“ Walter: http://www.facebook.com/profile.php?id=100000121140092

(Danke Mike für den Tipp)