Nur Tempo 30 für Autohäuser im Web 2.0

Crystallized MercedesVor kurzem erhielt webzucker eine Anfrage aus der Automobil-Branche. Klingt interessant, habe ich doch aus dieser Richtung praktisch Nichts aus dem Web 2.0 bis jetzt wahrgenommen, jedenfalls nicht vom Autohandel. Die (obligatorische) Frage lautete: Wie können wir als Autohändler vom Web 2.0 und dem Social Media-Trend profitieren? Einfache Frage, komplizierte Antwort? Nicht wirklich… zuerst einmal ist eines klar: wenn durch strategisches Marketing im Internet (potenzielle) Autokäufer Vorteile haben, dann werden das wohl auch die Autohäuser spüren. Nachdem ein Auto ein relativ teures Gut ist, braucht der Kunde auch mehr Zeit, Informationen und Vertrauen, um über seinen Kauf zu entscheiden.

Das ist meiner Meinung nach ein Vorteil in Verbindung mit der praktischen Nutzung vom Web 2.0. Umso länger und komplexer der Entscheidungsprozess – da teuer – desto eher wird sich der Käufer Rat beim Verkäufer, bei anderen Kunden sowie Bekannten und Freunden einholen. Dem Händler wiederum sollte es nicht bloß darum gehen, Probefahrer in Käufer umzuwandeln, also Abschlüsse zu machen. Vielmehr ist er gefordert, Vertrauen und Beziehungen aufzubauen, Transparenz zu leben, Informationen zu beschaffen und somit das Image zu pflegen. Wahrscheinlich spielt der Preis die Hauptrolle bei der Kaufentscheidung, jedoch glaube ich, dass es der Gesamteindruck ist, der für langfristige Kundenbeziehungen und damit Erfolg sorgt.

Und jetzt kommt der kompliziertere Teil der Antwort.
Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um eine Branche handelt, die auf der einen Seite nicht das positivste Image per se hat (es gibt Ausnahmen), andererseits jedoch hohes Vertrauen für einen Abschluss erfordert. Wie in vielen Unternehmen sollte der Einsatz von Social Media nicht nur in Einklang mit der Kommunikationsstrategie erfolgen, sondern muss auch in der Unternehmenskultur Platz finden. Das Mittragen von Social Media durch die Mitarbeiter ist die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz.

Ist der Autohandel schon bereit dazu? Faktum ist, wer jetzt die richtige Geschwindigkeit wählt, der fährt wahrscheinlich bald schon auf der Überholspur. Der Autohändler ist jedoch gut beraten hier behutsam vorzugehen. Eine offensive Nutzung von Blogs und Social Networks kann auch den Vogelscheuchen-Effekt bewirken und die schönen Autos bleiben auf Halde.

Beispiele

Bei der Suche nach bestehenden Autohäusern habe ich mich wirklich schwer getan etwas Herzeigbares aus dem deutschen Sprachraum zu finden.  Klarerweise sind die Car Dealers in den USA schon weiter. Jedenfalls wollte ich zu diesem Thema etwas Lokales herzeigen und bin zufällig in meiner Heimat Tirol, genauer gesagt im Zillertal, fündig geworden. Hier – nicht nur hier 😉 – kann man nicht nur demnächst Skifahren und seinen Winterurlaub verbringen, sondern auch der Facebook-Gruppe des Autohauses Mayrhofen beitreten, die immerhin 120 Mitglieder hat. Die Webseite ist zwar noch nicht Web 2.0-fit und auch ein Twitter-Profil habe ich keines gefunden – dazu habe ich das Beispiel Autohaus Keglovits (Niederösterreich) – jedoch scheinen sie auf dem richtigen Weg zu sein:

Autohaus Mayrhofen: Facebook, Webseite.

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Autohaus Keglovits: Twitter, Facebook, Webseite, Keglodog.

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Autohersteller sind dagegen schon auf der Überholspur

Zumindest einige große, wie etwa Daimler. Die haben schon seit zwei Jahren ein hervorragendes Business-Blog bei dem Mitarbeiter und sogar Externe schreiben (dürfen). Daimler bloggt darin nicht nur über deren Autos, sondern auch über Kommunikation, Gastbeiträge, Mitarbeiter, Technologie, etc.

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Amazon wird auch zum Autozubehörladen

Nachdem der Autozubehörhandel auf Ebay blüht, heißt es nun auch Aufpassen auf den Allround-Anbieter Amazon. Hier kann man mittlerweile als Alternative zu richtigen Autohändlern – vom Dachträger bis zu Schneeketten – eine Vielzahl an Auto- und Motorradzubehör bestellen. Hier wird Amazon klar mit der Kundenbewertung und dem vorbildlichen Lieferservice punkten.

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Informationsquellen

Es gibt zahlreiche Plattformen die zum Teil schon sehr gut in Richtung Web 2.0 entwickelt sind und den klassischen Automagazinen wohl auch Sorge bereiten: www.moto-news.de, oder www.autohaus.de sind nur einige davon. Diese Informationsquellen können einer Web 2.0 Präsenz eines Autohauses sicher dienlich sein.

Fazit

Zum Thema Image und Marke in diesem Zusammenhang möchte ich einen Auszug von Rainer Strang’s Artikel Malkasten für die Marke zitieren:

Nutzer wollten mitreden und die Marken auf ihre eigene Weise interpretieren und nicht so, wie es die Werbung vorgebe. Umso wichtiger sei es für Unternehmen, in diesen Kanälen präsent zu sein und über sie ihre Zielgruppen anzusprechen.

Es geht nicht darum etwaige Kommunikations-Risiken in den Vordergrund zu stellen oder gar zu überbewerten, sondern bewusst und mit Elan die positiven Seiten des Web 2.0 im Rahmen der Unternehmensstrategie und mit Bedacht auf die bestehende Unternehmenskultur zu nutzen. Ich empfehle dazu auch die anderen beiden Artikel bei Autohaus.de, vor allem den von Klaus Eck zum Thema Twitter.

Zum Schluss noch ein Video über das ideale Winterauto von Ken Block, das ich bei der Recherche gefunden habe…