Interview mit Newsexperte

Ich wurde von Newsexperte interviewt – danke @Christoph für die Blumen! Das Interview können Sie auch hier nachlesen: http://www.newsexperte.com/artikel-1374.html

Interview mit Marco Wegleiter von webzucker.com

12. APRIL 2010

in BLOGINTERVIEWS

Marco Wegleiter von webzucker.com ist nicht nur Blogger und Social Media Experte, sondern absoluter Web 2.0 Spezialist in allen Disziplinen. Im Interview mit uns gibt er  Einblick in seine Arbeit und Projekte.

Marco, du bist Unternehmensberater für Web 2.0. Wie kommt man auf die Idee in dieser Branche Fuß zu fassen?
Das Internet hat in den letzten Jahren durch das Upgrade „Web 2.0“ massiv an Vielfalt und Interaktionsmöglichkeit gewonnen. Es ermöglicht nun einen ungleich vielfältigeren Dialog rund um Produkte, Dienstleistungen, Erfahrungen, Erlebnisse, etc. als es noch vor relativ kurzer Zeit der Fall war. Für mich ist das Web 2.0 – oder „Social Media“ – kein „One-Hit-Wonder“, sondern vielmehr fast schon eine Art „kleiner Megatrend“ und zwar nicht nur innerhalb des Internets. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, meine langjährige Leidenschaft zum Beruf zu machen, mit dem Ziel, Unternehmen den Zugang zu den Chancen, die das Web 2.0 bietet, zu öffnen und sie dabei zu unterstützen.

Marketing auf den Social Media Plattformen ist ja eine noch recht junge Online Marketing Disziplin. Womit hast du bisher deine Brötchen verdient?
Ich war nach meiner schulischen Ausbildung als Nachrichtentechniker im IT-Support tätig und habe anschließend im Online Marketing umfassende Erfahrungen mit der damals gerade entstehenden SEO (Suchmaschinenoptimierung) beim Reiseportal Tiscover gesammelt. Diese Zeit hat meine Internetaffinität maßgeblich beeinflusst und daher habe ich auch während meines BWL-Studiums bei diesem Unternehmen gearbeitet. Nach meinem Studium wollte ich etwas ganz Neues ausprobieren und habe ein Praktikum im Risikomanagement bei BMW Financial Services absolviert. In Folge war ich vier Jahre im B2B-Marketing für weltweite Produktanwendungsschulungen bei Swarovski verantwortlich.

Seit wann bist du in diesem Bereich tätig?
Mein persönliches Interesse für alles rund um das Thema Internet besteht seit meinem „Erstkontakt“ im Jahr 1996 und ist seit damals Bestandteil meines beruflichen und privaten Lebens. War es anfangs ein stark technischer Bezug so steht mittlerweile die Nutzung aus Marketingsicht im Zentrum meines Interesses. Nach meiner intensiven Online-Zeit zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn, konnte ich durch meine jüngeren Tätigkeiten abseits vom Internet, Sichtweisen gewinnen und Erfahrungen sammeln, die ich nun sehr gut im Social Media Bereich einsetzen kann. Für mich persönlich war es ein Ziel, internationale Erfahrungen abseits der Online-Welt zu sammeln, um so Abläufe bei Kunden, in großen und kleineren Unternehmen zu erfahren und zu verstehen – quasi Teil der Realwirtschaft zu sein. Das Social Web hat mich anschließend zu meinen beruflichen Ursprüngen „zurückgerufen“ und seit einem Jahr bin ich in diesem Bereich professionell tätig.

Wie reagieren Kunden auf deine Ideen?
Das Thema Social Media ist zurzeit natürlich in aller Munde. Es ist etwas Neues von dem jeder spricht und die meisten aus meinem Bekanntenkreis nehmen auch daran teil. Nicht umsonst hat Facebook in Österreich bereits knapp 2 Millionen registrierte Benutzer – ich bin jedoch dagegen, wenn man Social Media mit Facebook gleichsetzt, da Social Media wesentlich mehr ist als diese Plattform. Bei Social Media gibt es ja bereits zahlreiche Best Practices aus den unterschiedlichsten Branchen. Trotzdem sind natürlich Überzeugungskraft und gute Ideen notwendig um vor allem „traditionell denkende“ Kunden zu gewinnen. Hier gibt es natürlich Branchenunterschiede jedoch wird es immer wichtiger, einzigartige, kostengünstige und neue Ideen zu haben. Da fällt mir John Lennon aus einem aktuellen Citroën-Werbespot  ein: „…looking backwards for inspiration, copying the past — how’s that rock ‘n’ roll?…Do something of your own. Start something new…“. John Lennon hat das übrigens nie gesagt – so ehrlich ist Werbung…

Wie wirst du von deinen potentiellen Kunden gefunden?
Ich betreibe seit einem Jahr den Blog webzucker (www.webzucker.com) – mittlerweile auch Name meines Unternehmens. Ich versuche dort meine Leser an ausgewählte Themen aus dem Bereich Social Media und Web 2.0 kritisch heranzuführen und stelle Praxis-Beispiele von Unternehmen vor. Damit kann ich meinen Wunsch andere über diese Themen zu informieren und mit ihnen zu diskutieren erfüllen und bekomme gleichzeitig eine gewisse Bekanntheit und Anfragen – marketingdeutsch würde man vielleicht „Win-Win-Win Situation“ dazu sagen. Jedenfalls schalte ich keine Zeitungsinserate, Radio- oder TV-Spots – das würde nicht nur mein Budget sprengen sondern auch dem widersprechen was ich meinen Kunden anbiete, nämlich Dialog statt Monolog.

Auf welchen Plattformen bist du für deine Kunden aktiv?
Der Erfolg von Social Media beruht ganz stark auf der Glaubwürdigkeit der Teilnehmer. Das Internet war anfangs einseitig und anonym und es wird zunehmend transparenter, persönlicher und symmetrisch. Wobei das immense Wachstum des Internets auch stark auf der Anonymität beruht – die ist ja per se nichts Schlechtes. Ein klassisches Problem vom anonymen Internet sind jedoch beispielsweise die Foren bekannter traditioneller Medien, die anonymes Posten erlauben. Kommentare unter der Gürtellinie sind dort meist Standard da dort fast niemand mit seinem realen Namen angemeldet ist. Dies ist ein Umstand der natürlich für eine Unternehmenskommunikation absolut kontraproduktiv ist. Bei Social Media Plattformen hingegen, allen voran Facebook, sind die Leute – gemäß den Bestimmungen – mit ihrem richtigen Namen angemeldet und alle ihre  Aktivitäten werden dort auch mit diesem Namen protokolliert. Man nutzt das Internet automatisch verantwortungsvoller. Die Plattformen die ich momentan empfehle sind davon abhängig welches Ziel man verfolgt: hauptsächlich Corporate-Blogs, Facebook, Twitter, YouTube, Flickr. Ich gebe dabei jenen Plattformen die höchsten Wachstumsraten, die es den Benutzern auf einfachste Weise ermöglichen, selbst Inhalte zu produzieren und zu teilen. YouTube hat dies meines Erachtens bis Dato am besten geschafft.

Wie misst du den Erfolg deiner Kampagnen?
Ich verwende ungern das Wort „Kampagne“ da man diesen Begriff mit Werbung assoziiert und Social Media keine Werbung ist. Die Erfolgsmessung ist so eine Sache. Nachdem man mit Social Media unterschiedliche Ziele  verfolgen kann, gibt‘s natürlich unterschiedliche und „kreative“ Kennzahlen. Es stellt sich mir allerdings immer die Frage wozu will ich überhaupt etwas messen? Mir ist schon klar, dass die Budgets eine Rechtfertigung verlangen und Zahlen sind da eben unumgänglich – aber nicht nur! Um dieser  Anforderung gerecht zu werden bieten zum einen die Plattformen selbst Statistiken oder ich verwende Dienste von Google, wie etwa Analytics. Je nach Zieldefinition werden auch individuelle Systeme entwickelt. Dass Social Media einen positiven ROI hat – wenn richtig eingesetzt – steht für mich außer Zweifel, dazu möchte ich auf diesen Clip hinweisen: Social Media ROI: Socialnomics (http://www.youtube.com/watch?v=ypmfs3z8esI). Für wesentlich wichtiger halte ich jedoch das Thema „Social Media Monitoring“ – hier erfahre ich qualitatives Feedback und kann meinen Kunden systematisch „zuhören“. Das Thema Monitoring kann je nach Projekt größere Dimensionen erreichen und dafür gibt’s dann eigene Software und Dienstleister wie etwa Radian6.

Ist Social Media als Verkaufsinstrument geeignet?
Nein. Verkaufen tun Verkäufer in einem Geschäft oder die Software eines  Online-Shops. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sich beispielsweise  bei Facebook registriert um etwas zu kaufen. Zumindest nicht direkt. Social Media ist mit Sicherheit kein Verkaufskanal und kein Werbekanal, ganz im  Gegenteil. Social Media ist viel umfangreicher als Werbung es je sein kann.  Was mich erstaunt – oder auch nicht – ist, dass Werbeagenturen nun  plötzlich meinen das Patent auf Social Media zu besitzen. Und das nachdem sie jahrelang den Trend verschlafen haben… Aber das ist eine andere Geschichte. Social Media sind Plattformen für Communities, die sich mit Produkten, Unternehmen und anderen Themen kritisch auseinander setzen und darüber Inhalte produzieren. Es werden persönliche Erfahrungen weitergegeben die dann zu einem Verkauf führen können. Social Media ist ein Kommunikationsinstrument, kein Verkaufsinstrument, kein Werbeinstrument. Nicht viel anders als normale Gespräche, oder?

Was zeichnet Dich als Unternehmensberater für das Web 2.0 aus?
Zu dieser Frage fällt mir spontan ein Zitat ein: „If you’re not prepared to be wrong, you’ll never come up with anything original.” (Sir Ken Robinson) Wie bereits in einer vorigen Frage beantwortet, halte ich es für sehr wichtig, dass  man auch Erfahrungen in anderen Bereichen außerhalb der Online-Welt  sammelt. Mir geht es einfach darum, Probleme aus verschiedenen  Blickwinkeln betrachten zu können, umso zu Lösungen und neuen Ideen zu  gelangen und sich in Kunden hineinversetzen zu können. Aufgrund meiner  technischen Ausbildung und meinem Wirtschaftsstudium verfüge ich über  Kenntnisse aus beiden Bereichen und kann diese auch in meiner täglichen  Arbeit anwenden. Dazu kommen natürlich meine praktischen Erfahrungen in  der Onlinebranche und abseits der Onlinebranche in der Ausbildung  internationaler Industriekunden. Ich glaube was mich auszeichnet ist der  Umstand, dass ich glaube zu wissen, wann und in welcher Form man das Web 2.0 entsprechend den Erwartungen der einzelnen Teilnehmer einsetzen kann.  Meiner Meinung nach sind dabei zwei Dinge essentiell: User Generated  Content und die Regeln der Community. Wer beides im jeweiligen  Zusammenhang beachtet, hat Erfolg.

Marco, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, wir werden Dich im Auge behalten.