Facebook-Hijacking bei der Seite „Das alte Innsbruck“

Statt historischer Fotos aus Innsbruck ist die beliebte Facebook-Seite facebook.com/DasAlteInnsbruck nun plötzlich eine inoffizielle Fanseite für den FPÖ-Politiker und Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer. Man kann jedoch mit Sicherheit nicht davon ausgehen, dass diese Aktion von der FPÖ ausgegangen oder gewollt ist.

Was ist passiert?

Am 11.7.2016 wurde die Seite mit über 13.000 Fans kurzerhand in „Innsbruck für Norbert Hofer“ umbenannt. Der Nutzername blieb derselbe – „@DasAlteInnsbruck“ – und die gesamten Inhalte – also die alten Fotos – wurden gelöscht und mit Posts zum neuen Polit-Thema versehen. Kritische Kommentare werden umgehend gelöscht und die Nutzer auf der Seite blockiert. Es folgt nun ein Shitstorm der Mitglieder, die sich von diesem „Hijacking“ betrogen fühlen. Dieser Shitstorm findet also (wie so oft) auf anderen Seiten statt, die nicht im Einfluss des (neuen?) Betreibers stehen.

Wie ist so etwas möglich?

Dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  1. Der persönliche Account des Seiten-Administrators wurde gehackt.
  2. Der Seitenbetreiber hat die Änderungen selbst bewusst durchgeführt.

Geht man von Letzterem aus, so stellt sich die Frage ob Facebook eine derartige „Entführung der Fans“ duldet.

Ist eine solche Änderung erlaubt?

Laut den Facebook-Seitenrichtlinien ist eine solche Änderung nicht erlaubt, denn dort heißt es im Punkt II A.:

„Seitennamen und Facebook-Internetadressen müssen die Seiteninhalte genau wiedergeben. Wir können deine administrativen Rechte entfernen bzw. von dir verlangen, den Seitennamen und die Facebook-Internetadresse für jedwede Seite zu ändern, die diese Anforderung nicht erfüllt.“

und weiter:

„v.    sie dürfen andere Personen nicht zu der Ansicht verleiten, es handele sich bei der Seite um eine offizielle Seite des Gegenstands der Seite oder sie sei von einem autorisierten Vertreter des Gegenstands der Seite genehmigt worden;…“

Außerdem steht durch die Verwendung des Sujets eine Urheberrechtsverletzung im Raum, wenn die Verwendung nicht genehmigt wurde. Das Profilbild könnte neben dem „Recht am Bild“ auch das „Recht im Bild“ verletzen.

Was kann der Nutzer tun?

  • Der Nutzer kann es akzeptieren, wenn er damit einverstanden ist, denn er tut nichts Illegales wenn er die Seite weiterhin „liked“.
  • Der Seite sein „Gefällt mir“ entziehen.
  • Die Seite bei Facebook zur Überprüfung melden:

 

 

„Technische“ Auswirkungen

Die Likes der Seite werden sich vermutlich mehr oder weniger stark vermindern. Die Reichweite der Seite wird sich ganz bestimmt vermindern, da kritische Kommentare sofort gelöscht werden und somit die Interaktionsrate der Seite sinkt. Facebook könnte die Seite bei genügend Meldungen überprüfen und sperren.

Fazit

Ob gewollt oder nicht – es ist um die alte Seite schade, da dort wirklich schöne und interessante Fotos gepostet wurden. Die Zweckentfremdung der Seite kann wohl kaum von der Partei gutgeheißen werden, denn ein entsprechender Shitstorm war in so einem Fall klar vorauszusehen. Der Hijacker hat dem Politiker wohl einen Bärendienst erwiesen.

 

Anmerkung: Der Autor und dieser Blog sind politisch neutral. Es ist völlig unbekannt wer für die „Entführung“ verantwortlich ist. Keinesfalls soll dieser Artikel irgendjemanden beschuldigen, schon gar nicht die genannte Partei oder ein Mitglied derer.

Update

Der Betreiber hat sich zur Übernahme zu Wort gemeldet – anonym:

Neuer Administrator, neues Thema!

Auch Innsbruck braucht endlich eine positive Veränderung, das alte schöne Innsbruck…

Posted by Innsbruck für Norbert Hofer on Tuesday, July 12, 2016

 

Update 10:47

Die Seite wurde vom Netz genommen.

Update 11:40

Neben zahlreichen Meldungen in klassischen Medien die im derStandard.at oder der Tiroler Tageszeitung, hat auch die Politik auf diese Aktion reagiert. So fordert der Innsbrucker Tourismusstadtrat Franz X. Gruber (ÖVP) eine Übernahme der Seite durch das Stadtarchiv vor oder alternativ den Aufbau einer eigenen Seite.

„Das Stadtarchiv soll sich mit den Administratoren in Verbindung setzen und die Seite -wenn möglich- übernehmen und weiter pflegen. Falls dies scheitert wäre ein eigener Seitenaufbau durch das Stadtarchiv zu überlegen, da diese Seite großen Anklang gefunden hat und zur Allgemeinbildung der Geschichte der Tiroler Landeshauptstadt beitrug“, so Gruber.

Ich schätze das mit der Übernahme wird nichts, da die Fotos nicht nur auf der Timeline versteckt sondern wirklich gelöscht wurden. Eine Rücknahme der Umbennenung der Seite ist ebenfalls unwahrscheinlich. Ebenso kann der Nutzername nicht transferiert werden. Hier müsste Facebook mitspielen, was nach dieser Aktion bezweifelt werden darf. Die Stadtarchiv wird also eine eigene Seite mit alten Innsbrucker Fotos aufbauen müssen, was sicher begrüßenswert ist.

 

  • ..hab gedacht eine Seite umbenennen ist ab 200 Likes nicht mehr so einfach möglich – ausser man ändert den Zweck der Seite auf gemeinnützige Organisation…

    • Diese Beschränkung wurde von Facebook aufgehoben…sogar den Nutzernamen kann man mittlerweile ändern. Der Fall zeigt, wie einfach damit Missbrauch betreiben werden kann. Facebook hat wohl aufgrund der Meldungen und Shitstorms die Seite gesperrt. Und das ist gut so.