Disqualifikation von Social Media bei Olympia

Das IOC regelte die Nutzung von Social Media während der Olympischen Spielen in London für Teilnehmer und akkreditierte Personen in den Social-Media-Guidelines. Generell unterstützte das IOC die Nutzung von Social Media, solange es sich dabei nicht um kommerzielle Nutzung handelt. Das Posten, Bloggen und Tweeten wurde wie folgt geregelt:

[…] any such postings, blogs or tweets must be in a first-person, diary-type format and should not be in the role of a journalist – i.e. they must not report on competition or comment on the activities of other participants or accredited persons, or disclose any information which is confidential or private in relation to any other person or organisation.

Das Posten von Fotos in den Olympischen Wettkampfstätten war erlaubt, Videos und Audiomitschnitte hingegen nicht. Noch strenger ging es im Olympischen Dorf zu: die Fotos die dort gemacht wurden, durften überhaupt nirgends gepostet werden.

Natürlich gab’s auch ein Werbeverbot für Marken, Produkte und Dienstleistungen auf Social Media:

Participants and other accredited persons are not permitted to promote any brand, product or service within a posting, blog or tweet or otherwise on any social media platforms or on any websites.

Das IOC hatte das Interesse die offiziellen Sponsoren zu schützen. Werbung von Mitbewerbern auf Social Media würde die Rechte der offiziellen Sponsoren in den traditionellen Mainstream-Medien verletzen. Dazu gab’s die Rule 40, die sämtliche Werbung der Sportler kurz vor und während der Spiele limitiert. Was hätte etwa Samsung gesagt, wenn ein Athlet auf seiner Facebook-Seite für Apple geworben hätte? Das hätte die Sichtbarkeit der Sponsoren in den Mainstream-Medien beeinträchtigt, glaubte man. Viel einleuchtender kommt mir dabei die Einschätzung von Eric Schwarzmann (@ericschwartzman) vor. Der schreibt in seinem Post, dass Social Media den Traffic in Richtung Owned Media treibt:

It assumed that the media landscape is a zero sum game and that the absence of unofficial sponsors in social media would be a gain for official sponsors in mainstream media. But as we seen, social media drives traffic to owned media, increasing the number of eyeballs broadcasters have to sell to paid media.

Der Medienlandschaft ist eben kein Nullsummen-Spiel, sondern vielmehr ergänzen sich neue und traditionelle Medien. Der Konsum der Mainstream-Medien, wie etwa Fernsehen, wäre also durch die kommerzielle Nutzung von Social Media durch die Athleten sogar verstärkt worden, wodurch natürlich auch die offiziellen Sponsoren profitiert hätten. Dies war dem IOC wohl nicht bewusst, ein Zeugnis für eine unzeitgemäße Einstellung gegenüber Social Media. Es gab auch ein eigenes Olympic Games Monitoring, wo die Einhaltung der Guidelines überwacht wurde, speziell auch „Ambush Marketing“-Aktionen (wer erinnert sich noch an die Bava­ria Beer Girls bei der Fuß­ball WM 2010?).

Die Verlierer bei diesen Social Media Guidelines ohne Weitblick waren wie so oft die Sportler. Man erwartet Spitzenleistungen und Medaillen. Und wenn es nicht so läuft, wie etwa bei den Österreichern, gibt’s für Olympia-Touristen vom Sportminister eine auf den Deckel. Mehr dazu auch hier. Kein Wunder, dass Spitzen-Sportler wie Dinko Jukic gegen die faulen Strukturen und das Nichtstun der Funktionäre und deren Inkompetenz protestieren. Dabei haben es Österreich’s Sportler eh noch gut im Vergleich zu manchen in den USA (!). Nicht nur Brian Lochte’s Eltern mussten etwa Konkurs anmelden, um dem Sprössling die Olympia-Teilnahme zu ermöglichen.

Die Sportler könnten mittels Social Media ganz einfach selbst ihre Sponsoren in Postings erwähnen und so die dringend notwendige finanzielle Unterstützung erhalten. Aber dazu braucht es wohl einen Generationenwechsel innerhalb des IOC.